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Reise NordamerikaUnter Nordamerika werden die USA, Kanada, aus geologischer Sicht Grönland, Hawaii, Saint-Pierre sowie Miquelon verstanden.

 

Klimatische Bedingungen

Die klimatischen Voraussetzungen dieses Kontinents sind von großen Unterschieden geprägt: Im nördlichen Teil Nordamerikas ist es sehr kühl, im südlichen eher wärmer, aber mit größeren Schwankungen im Verlauf des Jahres. Der weitaus größte Teil ist von einem Kontinentalklima geprägt. Die klimatischen Extreme sind im äußersten Norden sowie im Südosten Nordamerikas: Während es in Grönland und auf dem Kanadisch-Arktischen Archipel jährlich nur zwei frostfreie Monate gibt, sorgt der Golf von Mexiko am südöstlichen Rand für milde Winter, sehr heiße Sommer sowie ergiebigere Niederschläge.

 

Information für Geschäftsreisende

Der berufsgenossenschaftliche Grundsatz G 35 „Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen“ sieht vor, dass bei beruflich motivierten Reisen mit erhöhten gesundheitlichen Belastungen vor dem Reiseantritt die Reisetauglichkeit durch einen Arbeitsmediziner festzustellen ist. Auch eine Nachuntersuchung ist vorgeschrieben und hat in der Regel nach 2-3 Jahren stattzufinden. Die vollständige Handlungsanleitung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung wird hier www.unimedizin-mainz.de zur Verfügung gestellt. Ob dies auf das jeweilige Zielland zutrifft, sollte mit einem Arzt besprochen werden, der über die nötigen Fachkenntnisse verfügt.

 

Ernährung

Es sollte besonders in den warmen Gegenden Nordamerikas nichts gegessen werden, was nicht gekocht, gebraten oder geschält wurde. Das trifft auf ungeschältes Obst ebenso zu wie auf kalte Speisen (Eiscreme etc.), rohe Salate oder Eiswürfel in Erfrischungsgetränken. Wird diese Grundregel nicht eingehalten, können Durchfallerkrankungen (Diarrhoen) die Folge sein. Gerichte, die an Straßenverkaufsständen zubereitet wurden, sollten nicht verzehrt, Wasser sollte immer abgekocht werden. Für die Wasseraufbereitung auf Reisen sind Entgiftungstabletten und Mikrofilter zu empfehlen.

 

Infektionen durch Kleintiere

  • Für das West-Nil-Fieber, mit dem grundsätzlich in allen Bundesstaaten der USA sowie in Kanada gerechnet werden muss, sind Stechmücken verantwortlich. Die Infektion löst eine Entzündung des Hirns (Enzephalitis) aus. Der zeitliche Infektionsschwerpunkt dieser Erkrankung ist von Juni bis September. Reisenden, die sich während dieses Zeitraums in den USA oder Kanada aufgehalten haben, ist nach ihrer Rückreise nach Deutschland für vier Wochen das Blutspenden untersagt. Vorsorglich sollten Reisende nicht auf die üblichen Vorsorgemaßnahmen wie das Tragen von Kleidungsstücken, die Arme und Beine bedecken, und die Verwendung von Mückenschutzmittel (Repellents) und Moskitonetze verzichten.

  • Während des Spätsommers und Herbstes steigt die Wahrscheinlichkeit, sich vor allem in Süd-Texas und auf Hawaii mit dem Dengue-Fieber zu infizieren. Da auch diese Erkrankung von Mücken übertragen wird, sollten die o. g. Vorsorgemaßnahmen eingehalten werden. Sie kann Blutungen und Blutgerinnungsstörungen hervorrufen, die bis zum Tod des Erkrankten führen.

  • Die Lyme-Borreliose wird durch Zecken übertragen und kommt besonders in Kanada sowie den östlichen und nördlichen US-Bundesstaaten häufig vor. Die Zeckensaison hat ihren Schwerpunkt zwischen April und September. Sie macht sich durch Kopf- und Muskelschmerzen sowie Fieber bemerkbar und kann im späteren Krankheitsstadium zu chronischen Gelenkschmerzen, Hirnhautentzündung, Nerven- oder Herzschädigungen führen. Eine Impfung gegen die Lyme-Borreliose steht nicht zur Verfügung, jedoch kann der Erkrankung durch das Absuchen des Körpers nach Zecken nach jedem Aufenthalt im Freien vorgebeugt werden. Um dies zu erleichtern, sollte helle Kleidung getragen werden. Damit den Tieren der Zugang zur menschlichen Haut erschwert wird, sind lange Hosen sowie Oberbekleidung mit langen Ärmeln sinnvoll. Außerdem sollten die Hosenbeine in die Socken gesteckt werden. Eine Lyme-Borreliose ist schwer diagnostizierbar, weil sie sich häufig mit eher allgemeinen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Muskel- oder Gelenkschmerzen oder Nachtschweiß bemerkbar macht. Hier kann nur eine Blutuntersuchung Gewissheit verschaffen. Bei einem Verdacht auf eine Infektion sollte so bald wie möglich mit einer Antibiotika-Behandlung begonnen werden.

  • In den USA tritt im Westen und im mittleren Westen immer wieder die Pest auf. Sie wird in der Regel durch Flöhe übertragen.

 

Weitere Gesundheitsrisiken

  • Infektionen, die durch E. coli, Salmonellen, Shigellen (lösen bakterielle Ruhr aus), Campylobacter-Bakterien oder Amöben ausgelöst werden, kommen in Nordamerika häufiger vor. Auch Dünndarmparasiten oder Fadenwürmer sind häufig für Durchfallerkrankungen verantwortlich. Bei der Einhaltung der grundlegenden Vorsorgemaßnahmen (s. Abschnitt „Ernährung“) kann das Risiko einer Infektion deutlich verringert werden.

  • Entlang der Küstengebiete der US-Bundesstaaten Massachusetts, New Hampshire und Maine bilden sich im Sommer im Zusammenhang mit der starken Erwärmung des Meerwassers verstärkt giftige Rotalgen („Red Tides“). Die Berührung mit ihnen führt zu Hautreizungen. Außerdem sollten weder Fische noch Schalentiere aus diesem Gebiet verzehrt werden, da sie mit einer giftigen Substanz verunreinigt sein könnten, die von Rotalgen produziert, aber nicht durch Garen zerstört werden kann. Beim Menschen kann dieses Gift im schlimmsten Fall zu Gedächtnisschwund und Lähmungserscheinungen führen.

  • Im Westteil der USA und im Südwesten von Kanada treten immer wieder Hantavirus-Infektionen auf. Da sie durch Ratten und Mäuse übertragen werden, sollten Lebensmittel ausreichend vor dem Zugriff der Tiere geschützt werden. Die Infektion äußert sich durch eine gestörte Funktion der Nieren und lebensbedrohliche Blutungen. Es gibt hier weder eine Impfung noch eine spezielle Therapie. Im Falle einer Ansteckung wird versucht, die Symptome zu lindern.

  • Da zahlreiche Wildtiere in den USA und Kanada an Tollwut erkrankt sind, sollte von ihnen Abstand gehalten werden, wenn sie zahm wirken.

  • HIV-Infektionen sind in Kanada, den USA und auf den Bermudas ein großes Problem. Sexueller Kontakt mit Einheimischen sollte nur mit Kondomen stattfinden.

 

Empfohlene Impfungen

  • Tetanus/Diphtherie/Pertussis (Keuchhusten)
  • Masern (Grundimmunisierung)
  • Polio (Grundimmunisierung)
  • evtl. Hepatitis (A und B)
  • Grippe für Personen, die über 60 Jahre alt sind
  • Pneumokokken für Personen, die über 60 Jahre alt sind
  • in den USA: ggf. Mumps bei Kindern bei längeren Aufenthalten oder bei Erwachsenen, die im Kindesalter weder geimpft wurden noch an Mumps erkrankt sind.

 

Einreisebestimmungen

Nur bei langen Aufenthalten verlangen die Länder von Einreisenden ein Gesundheitszeugnis oder einen aktuellen HIV-Test.